Wer ist ein Pfifferling ?

Hauptmerkmal: Goldleuchtende Augen und pfirsichfarbene Wangen

Gattung: Homo Sapiens minimax (Alter: 3-6 Jahre), aufgeschlossen für das “Abenteuer Wald”

Untergattung:

  • Wächst, gedeiht und entfaltet sich bei jedem Wetter
  • Schätzt das Miteinander in Kleingruppen (18-20 Kinder) und lernt daraus
  • Erfährt die Wirksamkeit seines Handelns durch eigenständiges Tun, Erproben, Erfinden und Erleben
  • Nimmt mit allen 5 Sinnen den jahreszeitlichen Rhythmus, die 4 Elemente und die Qualität der Stille wahr

Was ist ein Waldkindergarten ?

Die Idee eines Kindergartens im Wald stammt ursprünglich aus Dänemark. 1951 entwickelte er sich aus einer Elterninitiative. Der erste Waldkindergarten in Deutschland wurde 1968 in Wiesbaden genehmigt.

Ein Waldkindergarten ist ein Kindergarten, der das ganze Jahr über unter dem Blätterdach des Waldes stattfindet. Wie in jedem anderen Kindergarten laufen, spielen, basteln und singen dort die Kinder – aber fast immer unter freiem Himmel.

Der erste Waldkindergarten in Deutschland wurde 1968 in Wiesbaden genehmigt. Als 1993 der Flensburger Waldkindergarten gegründet wurde, sorgte dessen Öffentlichkeitsarbeit für die Verbreitung dieser Idee. Inzwischen gibt es etwa 700 Waldkindergärten in Deutschland (Stand 2009) und sie sprießen weiterhin „wie Pilze aus dem Boden“.

WaKiGa – Team

Die Betreuung der Kinder übernehmen drei Fachkräfte: 2 Diplom – Sozialpädagoginnen, wobei die Kindergartenleiterin zudem staatlich anerkannte Erzieherin ist und eine Erzieherin, die zusätzlich ausgebildete Ergotherapeutin und Waldorfpädagogin ist. Seit 2006 bilden wir Jahrespraktikanten/-Innen von der Fachakademie für Sozialpädagogik aus oder Praktikanten/-Innen, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. Hin und wieder wird das Team auch von anderen Praktikanten/-Innen unterstützt, die uns für einige Tage oder Wochen begleiten.

Wald

Unser Platz ist im Meilwald, auf einer Lichtung in der Nähe der Jugendfarm. Dort steht unser acht Meter langer Bauwagen, der uns bei extremen Witterungsverhältnissen als Unterschlupf dient.

Spielmaterial ist alles, was der Wald bietet. Je nach Jahreszeit und Themen werden Bücher, Werkzeug, Seile, Lupen, Bastelmaterial, Mal – und Schreibutensilien usw. eingesetzt.

Unser Gelände ist der Wald, d.h. wir haben viel Platz. Als Mal- und Basteltische im Freien dienen uns Paletten. Die Kinder spielen z.B. in der Werkecke, in der “Höhle” unter dem Bauwagen, im Pavillon und in verschiedenen Sitzkreisen. Sehr beliebt sind unser Lehmberg und die Hängematten. Ein besonderer „Lieblingsplatz“ ist oft der Platz am „eigenen“ Baum wohin sich die Kinder immer gerne zurückziehen.

Je nach Interesse der Kinder oder in Zusammenhang mit aktuellen Themen entstehen neue Bauwerke und Spiellandschaften wie Piratenschiff, Waldkrankenhaus, Waldschule, Tierheime, Höhlen, Zwergenhäuser, etc.

Häufig nutzen wir andere Plätze und Spielflächen wie den Märchenkreis, den Tanzbaum, den Birkenplatz, die Meilwald- und die Handtuchwiese, den „Wurzelberg“, den „Osterbrunnen“, besuchen die Jugendfarm, im Winter den Eisplatz oder fahren Schlitten am Bürgermeistersteg.

Im Sommer verbringen wir viel Zeit auf dem „fabelhaften Kinderpfad“. Ein Naturkunstpfad, den wir mit Eltern und Kindern selbst geschaffen haben und der mittlerweile auch außerhalb des Kindergartens Freunde und Bewunderer gefunden hat. Manche suchen ihn immer wieder auf, um selbst kreaktiv daran zu arbeiten oder dort einfach Ruhe und Entspannung zu finden.

Bauwagen

Im Eingangsbereich befinden sich Bänke und eine kleine Garderobe in der jedes Kind seinen Platz für Rucksack, Hausschuhe, Jacke, etc. hat. Eine Tür führt in den Aufenthaltsbereich mit Kuschelecke, Schränken und den Sitzbänken mit dem Esstisch. Der Bauwagen ist durch drei Gasöfen beheizbar und auf einem Herd kann an unserem Kochtag gekocht oder gebacken werden.

Ansonsten bietet der Bauwagen Stauraum für Werkzeug, Bastel – und Spielmaterial, Bücher, Wechselkleidung und Geschirr.

Toilette

Am Platz benutzen die Kinder Töpfchen und wir vergraben das Ergebnis im Wald. Die älteren Kinder sind schon selbstständig genug für die „Waldtoilette“. Alternativ gibt es die Möglichkeit, auf der Jugendfarm zur Toilette zu gehen.

Ein Tag bei den Pfifferlingen, ein Pfifferling erzählt:

Morgens zwischen 7.45 und 8.00 Uhr bringen mich meine Eltern zum Bauwagen. Da warten meist schon einige meiner Freunde auf mich. Gleich fangen wir an, in der Werkecke, hinter dem Bauwagen oder sonst wo auf dem Platz zu spielen. Es gibt immer etwas zu entdecken.

Um 8.30 Uhr ruft die Flöte und wir versammeln uns im Morgenkreis, um uns mit einem Lied zu begrüßen. Manchmal liegen spannende Gegenstände in der Kreismitte, zu denen uns die Erzieherinnen etwas erzählen. Das kann ein Frosch sein, ein Straußenei, Waldkräuter oder andere spannende Dinge. Meistens hat es etwas mit dem zu tun, womit wir uns gerade beschäftigen. Da geht es um Feuer, Frösche, Freundschaft, wie es uns geht oder wir hören spannende Geschichten.

Nach dem Morgenkreis machen wir uns auf den Weg zu einem unserer Lieblingsplätze. Zur Meilwald- oder Handtuchwiese, zum Igelbaum oder zum Froschteich, zum Osterbrunnen oder einfach auf Entdeckungsreise – der Sonne entgegen um neue “Länder” zu entdecken !

Unterwegs gibt es viel zu erforschen. Es gilt Berge zu besteigen oder Bäume zu erklimmen. Wenn wir es selber schaffen, dürfen wir überall raufklettern. Also müssen wir uns gegenseitig helfen. Der eine schiebt, die andere zieht und so gelingt es uns oft gemeinsam irgendwo hinaufzukommen oder einen großen Baumstamm für ein Lager herbeizuschaffen.

Im Frühling  – wenn die ersten Kräuter wachsen, wird fleißig gesammelt und mit Löwenzahn, Gänseblümchen, Scharbockskraut, Knoblauchsrauke, Wegerich, Brennessel und was sonst noch bei uns wächst, gekocht und gebacken. Denn ungekocht dürfen wir leider nichts aus dem Wald essen, wegen des Fuchsbandwurms.

Besonders spannend sind natürlich die Tiere, die uns im Laufe des Jahres begleiten. Da ist die Blaumeise die im Winter mit uns frühstückt und im Frühling mitten auf unseren Patz nistet. Wenn es ihr zu laut wird, schimpft sie und manche von uns können ihre Sprache sogar verstehen. Das Rotkehlchen, der Kleiber, der Eichelhäher, die Eichhörnchen und die Mäuse – die alle in unserer Nähe wohnen – besuchen uns ebenfalls öfter – besonders beim Frühstück.

Manchmal wird jeder Baumstamm umgedreht und wir richten mit unserer “Beute” ein “Tierheim” für Insekten ein. Vom Tausendfüssler bis zum Lederlaufkäfer gibt es da viel zu entdecken.

Manche von uns lieben besonders unsere Kaulquappenzucht im Frühling. Morgens ist der erste Weg stets dorthin zum Füttern und es ist immer wieder faszinierend, wie die kleinen Punkte aus den „Glibbereiern“ ausschlüpfen und sich nach und nach in Frösche verwandeln.

Oft können wir den Specht oder Kuckuck hören und manchmal auch Blindschleichen sehen. Ganz selten begegnen wir den scheuen Rehen. Das ist dann stets ein ganz besonderes Erlebnis. Und einmal in der Woche gehen wir auf die Jugendfarm, um die Hasen zu füttern. Das alte harte Hasenbrot und die Karotten schmecken nicht nur den Hasen sondern auch uns besonders gut, auch wenn unsere Erzieherinnen stets sagen, wir sollen ihnen nicht immer alles wegessen.

Bis um 10.00 Uhr kann viel passiert sein und die ersten haben schon Hunger. Also werden unsere Hände mit Lava-Erde (statt Seife) gewaschen und wir suchen uns einen Sonnenplatz, um gemeinsam zu frühstücken. Das ist wie jeden Tag Urlaub mit Picknick; im Winter kürzer, im Sommer länger.

Nach dem Frühstück ist wieder Zeit zum Spielen. Uns fällt immer was ein, aber auch die Erzieherinnen haben oftmals ganz nette Ideen, um uns zu beschäftigen. Da wird gemalt, gefaltet, gefilzt, gewerkelt, gekocht, gesungen, getanzt, vorgelesen oder Geschichten erzählt, Theater gespielt, experimentiert, Kreisspiele gemacht und gefeiert, gelacht, gestritten, vertragen, getobt, gestaunt, zugehört und entspannt.

Besondere Höhepunkte sind unsere Ausflüge: Regelmäßig fahren wir mit dem Bus in die Stadtbücherei. Die netten Damen dort freuen sich immer zwei mal über uns. Einmal wenn wir kommen und einmal wenn wir gehen. Wahrscheinlich sind wir ihre beste Kundschaft, denn sie schenken uns immer wieder “ausgelesene” Kinderbücher – aber immer freuen wir uns darüber, denn es steht noch genug für uns drin.

Toll war`s auch bei der Feuerwehr, beim Zahnarzt, auf dem Marktplatz, am Weihnachtsmarkt, im Walderlebniszentrum, im Puppentheater oder beim Reiten. Da dürfen wir sogar öfter hin. Fast alle trauen sich inzwischen auf`s Pferd und manche reiten schon freihändig.

Gegen 12.00 Uhr treffen wir uns zum Abschlusskreis. Da erzählen wir, was uns gefallen hat – manchmal müssen wir uns auch beschweren. Aber meistens war`s ganz in Ordnung. Wenn wir dann unser Abschlusslied singen oder noch ein gemeinsames Spiel spielen, ist es auch schon 12.30 und die ersten Kinder werden abgeholt.

In der Zwischenzeit ist auch das Mittagessen eingetroffen und die Kinder, die bis 14.15 Uhr bleiben, essen gemütlich im Bauwagen oder bei schönem Wetter draußen in der Sonne.

Wenn nach dem Essen Ruhe eingekehrt ist, werden um 14.15 Uhr die letzten Kinder abgeholt. Ausgerechnet dann, wenn wir es uns gerade in der Kuschelecke oder am Maltisch gemütlich gemacht haben. Da will keiner mehr raus aus dem Bauwagen.